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Die Rammbocktr"ager gehen voran und steigen die Treppe bis zum h"ochsten Stockwerk hinauf. Anschliessend schlagen sie die Treppe abw"arts nacheinander mit dem improvisierten Rammbock alle Wohnungst"uren ein. Sie arbeiten sich ohne Pause von Stockwerk zu Stockwerk durch. Die Suchtrupps folgen den Rammbocktr"agern, jeweils zwei Mann durchsuchen eine Wohnung. Der Wachmann mit der Pistole betritt die Wohnung zuerst und beaufsichtigt den Suchtrupp. Er verl"asst die Wohnung als letzter. Ein weiterer Wachmann mit Gewehr steht auf dem h"ochsten Treppenabsatz und kontrolliert alles, was er sieht.

Das Essen auf dem Tisch oder in ge"offneten Konserven kann gegessen werden. Konserven zu "offnen, ist verboten. Sie m"ussen auf den Treppenabsatz gebracht und sortiert werden. Die Tr"ager tragen sie weg. Das ist ein Sondertrupp der Brigade. Bekleidung wie Jacken, Hosen und Schuhe werden separat abgelegt. M"antel und Frauenbekleidung sind unn"utz und bleiben in der Wohnung. Das Gleiche gilt f"ur die Haushaltsger"ate, die keinen interessieren. Sofern Wertsachen gefunden wurden, ist das dem Wachmann sofort zu melden. Waffen, einschliesslich K"uchenmesser, d"urfen nicht ber"uhrt werden, andernfalls droht die Erschiessung an Ort und Stelle. Nicht nur dem "Ubelt"ater, sondern dem gesamten Trupp. F"ur Geld, Wertsachen und Waffen gibt es als Belohnung zwei selbst gew"ahlte Konservendosen. Die Konserven d"urfen sofort gegessen werden. Man darf den anderen aber nichts abgeben, sondern werden sie einem sofort wieder abgenommen.

Medikamente sind ein Kapitel f"ur sich. Sie werden ausnahmslos eingesammelt. Alkohol erfordert einen besonders sorgf"altigen Umgang. Das war's.

„Noch dumme Fragen? Nein? Los geht's!“

Unser b"artiger Brigadier tritt nach vorn.

„He, ihr da! Du und du“, er zeigt mit dem schmutzigen Finger auf die Betreffenden: „Ihr tragt die Ramme! Und ihr zwei.“

Ich bin auch dabei.

Die Rammer sind nicht zu beneiden. Das ist mir morgens bei den Gespr"achen aufgefallen. Sie laufen zwar nicht nach oben und unten wie die Tr"ager, aber sie leiden nicht unter der groben Behandlung der Wachm"anner wie die Schl"achter, die die Wohnungen ausschlachten. Das war das einzig Positive daran, den ber"uchtigten Balken zu schleppen (eine ca. siebzig Kilogramm schwere Metallbohle mit angeschweissten Halte– und Tragegriffen). Wenn die Rammer fertig sind, helfen sie den Tr"agern. Aber keiner von ihnen darf sich in den Wohnungen Sachen aneignen. Das bedeutet, auf der Stelle erschossen zu werden.

Deshalb haben die Ausschlachter die „eintr"aglichste“ (aber auch die riskanteste) Arbeit. Meistens sind das die Kumpel des Brigadiers. Da ich nicht dazu z"ahle, wurde ich der Ramme zugeteilt.

Ich n"ahere mich dem Balken und nehme Mass.

„Eh“, sagt der Wachmann.

Er wendet sich dem Brigadier zu.

„Jawohl!“

„Warum hast du diesen Schw"achling f"ur die Ramme ausgew"ahlt?“

„Bei uns ist einer ausgefallen.“

„Hast du keinen kr"aftigeren Arbeiter? Der hat ja nur Haut und Knochen! Rachitis.“

„Kein Problem, der ist stark genug.“

Das Gesicht des Wachmanns verdunkelte sich.

„Willst du frech werden, du Hans Wurst?! Reiss hier nicht das Maul auf, du Pinscher! Was habe ich dir gesagt? Austauschen! Es hat gestern schon gereicht, dass dem strohdummen Brillentr"ager die Ramme auf das Bein gefallen ist. Oder willst du sie allein schleppen? Das kannst du haben! Na los, Befehl ausf"uhren und zwar wie ein ge"olter Blitz!“

So wurde ich Tr"ager. Im Prinzip keine schwere Arbeit. Nimm mehr, trag schneller, das ist der Trick. Sei auf der Hut, lass nichts fallen und mach nichts kaputt. H"ute die Flaschen mit Alkohol, andernfalls folgt die Strafe auf dem Fusse. Die Pr"amie gibt es dagegen, wenn der Haufen Plunder, den wir herumschleppen innerhalb einer Stunde die H"ufth"ohe unseres Wachmanns erreicht hat. Wir erhalten ein paar Konservendosen, die er selbst ausw"ahlt. F"ur alle, das heisst f"ur acht Mann. Ein Trostpreis, aber besser als gar nichts. Die Rammer erhalten "uberhaupt nichts.

Los! Im Laufschritt nach oben und vorsichtig nach unten stapfen, damit nichts verloren geht. Ununterbrochen, denn die Pause ist erst wieder in einer Stunde. Hoch und runter und wieder hoch. Als ich einen Blick in eine der gepl"underten Wohnungen werfe, sehe ich an der Wand das Foto eines M"adchens im kurzen Kleid. Auf dem professionellen, grossformatigen Foto sieht das M"adchen fast echt aus. Ich kann nicht glauben, dass es das wirklich gegeben hat. Mit diesen h"ubschen M"adchen sind wir einst ausgegangen. Ninel.... ich sp"ure f"ormlich den Duft ihres Parf"ums.

„Schneller!“

Ich lauf ja schon. Wieder nach oben. Ich habe Durst, aber es ist verboten, die Wohnungen zu betreten.

„Rauchpause!“

Ein Eimer scheppert "uber den Asphalt, die Wachm"anner haben einen Eimer Wasser organisiert. Etwas abseits schl"urft ein Tr"ager den Inhalt einer Konservendose. Seine Beute, eine goldene Uhr, schm"uckt jetzt das Handgelenk des Hauptmanns der Wache.

Wir haben noch nichts abbekommen. Der Hauptmann befahl die Ausgabe von zwei Packungen Haferflocken, sonst h"atten wir jetzt nichts zu beissen. Gl"uck gehabt.

„Schluss mit lustig!“

Und wieder hoch und runter. Die Fahrst"uhle im Haus funktionieren nicht, vielleicht wurden sie abgeschaltet. In den Wohnungen brennt auch kein Licht, die Wachm"anner leuchten mit den Taschenlampen.

„Feierabend!“

Wir haben den gesamten H"auserblock umgekrempelt und werden die Beute nicht auf einmal wegschaffen. Der Chef sieht sich das Diebesgut an und stellt ein paar Mann als Wache ab. Jetzt schleppen wir die Beute bis zum Lager, laden sie ab und holen den n"achsten Haufen. Gl"ucklicherweise muss die Ramme nicht zur"uckgetragen werden, sie wird im n"achsten Hauseingang gebraucht. Die Bohle stellen wir in einer Wohnung ab und die Rammer werden Tr"ager.

Noch ein Streifzug. Ich kann kaum noch laufen, aber anstatt uns in die Baracke zu jagen, m"ussen wir uns in Reih und Glied vor dem Tor aufstellen. Was haben sie sich jetzt wieder ausgedacht? Wenige Minuten sp"ater kommt aus dem Geb"aude ein Prozessionszug, an dessen Spitze l"auft ein st"ammiger Mann in Begleitung seiner Kumpane.

„Makar…“, fl"ustert der Nachbar links neben mir.

„Wer ist das?“

„Das ist der Boss hier, alle anderen sind ihm unterstellt.

Hinter dem Boss l"auft niemand anders als Pawel. Das ist aber eine "Uberraschung!

„Ich begr"usse euch alle!“ Makar hebt die Hand.

Die Wachm"anner ziehen tierische Gesichter und wir zeigen einstimmig unsere Freude.

„Sicher erinnert ihr euch daran, dass wir versprachen, euch f"ur hervorragende Leistungen die Freiheit zu schenken. F"ur eure Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit! Es ist keine S"unde, das von den s"aumigen Hausherren verlassene Hab und Gut denen zu geben, die es tats"achlich ben"otigen. Da werden mir alle zustimmen.“

Beif"allige Ausrufe und Zustimmung.

„Es ist soweit!“ Der Boss macht eine theatralische Pause. „Heute darf einer von euch, der arbeitsunf"ahig ist, nach Hause gehen! Aber er geht nicht mit leeren H"anden! Er darf sich Kleidung aussuchen und so viele Lebensmittel mitnehmen, wie er tragen kann.“

Diese Ansprache aus dem Mund des Banditen klingt seltsam.

Auf ein Zeichen des Chefs "offnet sich das Tor des Lagerhauses. Da liegen riesige Kleiderhaufen, weder Damenh"ute noch Badeanz"uge, sondern genau das, was ein normaler Mensch in dieser Situation gebrauchen kann: feste Schuhe, dicke Hosen und Jacken, Leinenjacken, Lederjacken und sogar milit"arische Tarnjacken. Rucks"acke und Taschen liegen separat auf einem Haufen. Daneben stehen Lastkarren.

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